Drei- bis Fünfjährige halfen als Chor aus

Weihnachtskonzert mit dem Gemischten Chor und dem Musikverein am 22. Dezember 2002 in Neukieritzsch

Wer etwas später kam, hätte Schwierigkeiten bekommen, überhaupt noch irgendeinen provisorischen Platz besetzen zu können. So zahlreich war das Publikum am vierten Adventssonntag zum traditionellen Weihnachtskonzert des Gemischten Chores und des Musikvereins Neukieritzsch-Regis im Festsaal des Bürgerbegegnungszentrums Neukieritzsch erschienen. Nicht einmal die Programmzettel reichten für alle aus, obwohl man Reserven eingebaut hatte. Und nach den zwei Stunden des Programms, abgeschlossen mit dem gemeinsamen Singen von "O du fröhliche..." durch alle Anwesenden, verließen die Besucher zufrieden den Saal, beeindruckt von so manchem des Gebotenen.
Und doch hatten die Organisatoren, insbesondere die beiden Vereinsvorsitzenden Christine Unger (Gemischter Chor) und Uwe Seibt (Musikverein), im Vorfeld gewisse Bedenken, ob ihr gemeinsames Konzert wieder genügend Resonanz finden würde. Immerhin fiel erstmals der Kinderchor aus, mit dem ursprünglich fest gerechnet wurde. "Faktisch gibt es keinen Kinderchor mehr in unserem Ort", so die Chefin des Gemischten Chores. "Für die Arbeit mit den Kindern hatte bisher die Lehrerin Bärbel Küchler gesorgt, aber sie ist nun krankheitshalber für diese Aufgabe nicht mehr zu haben. Ersatz für sie ist nicht vorhanden." Die Schulen, früher eine Bank im örtlichen Kulturleben, haben sich nun wohl für immer oder zumindest für lange Zeit aus diesem verabschiedet. Das ist zu bedauern.
Aber eine pfiffige Idee der Veranstalter sowie die Bereitschaft zur Mitwirkung machten den Verlust weniger bemerkbar. Im Gemischten Chor gibt es nämlich zwei gestandene Chorsängerinnen, Ursel Paslack und Margit Einsingbach. Die beiden sind Kindergärtnerinnen. Und so rückten dann Drei- bis Fünfjährige an, unterstützt von ihren Eltern. Darlene, Moritz, Martin, Alexander, Janine und Vanessa machten ihre Sache sehr gut: Unbefangen und locker sangen sie von so viel Heimlichkeit und Schneeflöckchen, von Weihnachtsbäckerei und Liebesgaben.
Wer bei den Programmteilen, die auf Abstimmung von Gemischtem Chor und Blasorchester beruhten, sowie bei den Solopartien genauer hinhörte und auch noch Vergleiche aus den Vorjahren im Ohr hatte, fand tatsächlich eine Reihe besonderer musikalischer Leckerbissen. Wohl besonders deutlich wurde es diesmal bei den Männerstimmen. Chorleiter Viktor Vetter hatte ein gemischtes Quartett zusammengestellt, bestehend aus Herma Dobmaier, Christine Unger, Gerhard Lingslebe und Joachim Bär. Wie die Vier das bekannte "Hoch tut euch auf..." interpretierten, das war schon Klasse. "Maria Wiegenlied" von Max Reger war schon einmal in einem Neukieritzscher Konzert zu hören. Und die Kenner freuten sich wieder auf Northild Kutschmar, welche das Lied kraft ihrer warmen Alt-Stimme eindrucksvoll interpretierte und viel Applaus erhielt.
Das Blasorchester unter der Leitung von Aurelian Matei war am Vortag schon im Leipziger Hauptbahnhof aufgetreten; aber Müdigkeit merkte man den Akteuren nicht an. Die tragenden Bläser wie Posaunen, Trompeten und Hörner waren sehr gut. Sehr warm kam da vieles rüber. Trotzdem merkte man den jungen Musikern an, dass ihnen modernere Rhythmen zur Weihnacht wie das flotte Christmas-Potpourri leichter "von der Hand" gingen als sehr Getragenes. Allerdings: das Neukieritzscher Konzertpublikum honoriert auch frisches, jugendliches Musizieren ohnehin sehr dankbar. Auf das gemeinsame Neujahrskonzert von Gemischtem Chor und Bläsergruppe des Musikvereins am 25. Januar 2003 im Neukieritzscher Festsaal darf man sich jedenfalls jetzt schon freuen.

Text: Detlef Bergholtz / Artikel in der Leipziger Volkszeitung vom 24.12.2002 (leicht geändert)
Foto: Wolfgang Schauer

Blasorchester des Musikvereins Neukieritzsch-Regis

Letzte Aktualisierung am 30.12.2006. Zurück
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